Ansturm auf Grundsteuer-Dialog: Tübinger Bürger fordern Korrekturen am Bodenwertmodell
TÜBINGEN – Dass das Thema Grundsteuer die Menschen bewegt, zeigte sich am Dienstagabend (17. Februar 2026) im Museum Tübingen mehr als deutlich. Rund 60 Teilnehmer drängten in das Brahmszimmer – so viele, dass das Team kurz vor Beginn zusätzliche Stühle herbeischaffen musste, um dem enormen Andrang gerecht zu werden. „Endlich wird dieses Thema aufgegriffen“, bemerkte ein Teilnehmer unter lautem Applaus und kritisierte dabei die bisher mangelnde Würdigung der Problematik in der lokalen Berichterstattung.
Das Bodenwertmodell in der Kritik
Dagmar König, Vorsitzende von Haus & Grund Tübingen, eröffnete den Abend mit einer Analyse der baden-württembergischen Sonderlösung. Als einziges Bundesland setzt Baden-Württemberg auf das reine Bodenwertmodell. König kritisierte scharf, dass bebaute und unbebaute Grundstücke gleich bewertet werden – selbst wenn eine (weitere) Bebauung rechtlich gar nicht möglich oder genehmigt ist. Die Anwesenden wurden zudem über rechtliche Wege informiert, um gegen unverhältnismäßige oder faktisch falsche Bewertungen vorzugehen.
FDP fordert Kurswechsel auf Landesebene
Der Landtagsabgeordnete Prof. Dr. Erik Schweickert (FDP/DVP), Experte für Landesentwicklung und Wohnen, legte die Defizite der aktuellen grün-schwarzen Gesetzgebung dar. Er präsentierte die Initiativen seiner Fraktion, die unter anderem vorsehen: Die Übernahme von Kosten für erfolgreiche Gutachten; dass Gutachten nicht alle sieben Jahre neu erstellt werden müssen; ein Antragsrecht für Mieter bei Gutachten sowie eine effektive Härtefallklausel.
„Das ist jedoch nur das Mindestmaß an notwendiger Korrektur“, so Schweickert. Langfristiges Ziel der FDP sei der Wechsel zum bewährten bayerischen Modell. Mit Blick auf die anstehende Wahl betonte er: „Die grün-schwarze Koalition hat wiederholt gegen Änderungen gestimmt. Am 8. März entscheiden die Bürger, ob sich das ändert. Korrekturen an der Grundsteuer werden für uns ein wichtiger Punkt im Rahmen von Koalitionsverhandlungen.“
Lokale Hürden im Tübinger Gemeinderat
Die Brücke zur kommunalen Praxis schlug Stadträtin und Landtagskandidatin Irene Schuster. Sie berichtete von den schwierigen Entscheidungsprozessen im Gemeinderat und der dortigen Hebesatz-Politik. „Die Überzeugung vieler Ratskollegen, man treffe mit der Steuer sowieso nur ‚Reiche‘, die sich das leisten könnten, verhindert oft eine sachliche Auseinandersetzung mit der Realität vieler Eigentümer und Mieter, auf die die Steuer ja ebenfalls umgelegt wird“, kritisierte Schuster.
Der Abend verdeutlichte: Die Grundsteuer ist in Tübingen längst zu einer sozialen Frage geworden, die nach politischen Lösungen auf allen Ebenen verlangt.